April 09, 2026

Interdisciplinary Care for Elderly Trauma Patients: Heidelberg University Hospital’s Center for Geriatric Trauma Receives Certification

Interdisciplinary Care for Elderly Trauma Patients: Heidelberg University Hospital’s Center for Geriatric Trauma Receives Certification

The German Society for Trauma Surgery has jointly certified the Department of Trauma and Reconstructive Surgery at Heidelberg University Hospital (UKHD) and Agaplesion Bethanien Hospital Heidelberg as a Geriatric Trauma Center. The certification recognizes the outstanding care provided to elderly trauma patients at UKHD and underscores the great importance of interdisciplinary geriatric medicine.

Full text in German below.


Interdisziplinäre Versorgung älterer Unfallpatientinnen und -patienten: Alterstraumazentrum am Universitätsklinikum Heidelberg zertifiziert

Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie hat die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg (UKHD) und das Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg gemeinsam als Alterstraumazentrum zertifiziert. Das Zertifikat bestätigt die herausragende Versorgung älterer Unfallpatientinnen und -patienten am UKHD und unterstreicht die große Bedeutung einer interdisziplinären Altersmedizin.

Gemeinsame Pressemitteilung des Universitätsklinikums Heidelberg und des Agaplesion Bethanien Krankenhauses Heidelberg: Ältere Patientinnen und Patienten mit Unfallverletzungen werden am Universitätsklinikum Heidelberg schon seit vielen Jahren interdisziplinär und unter Berücksichtigung altersbedingter Besonderheiten behandelt. Dafür arbeiten Medizinerinnen und Mediziner aus Geriatrie und Unfallchirurgie Hand in Hand: Beteiligt sind die Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Gerhard Schmidmaier) und das Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Jürgen Bauer). Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) hat die hohe Qualität dieser Zusammenarbeit nun bestätigt und die Kooperation als Alterstraumazentrum (ATZ) zertifiziert.

Wichtige Kriterien für die DGU-Zertifizierung waren neben der strukturierten Zusammenarbeit von spezialisierten Ärztinnen und Ärzten aus Unfallchirurgie und Altersmedizin auch die intensive Einbindung von nicht-ärztlichem Personal – darunter Pflege, Ergo- und Physiotherapie, Logopädie und Sozialdienst –, ein standardisiertes Vorgehen beim Screening und der Behandlung von Verwirrtheitszuständen (Delir), Sturzrisiko und Ernährungsstörungen sowie ein Fort- und Weiterbildungsplan für alle Mitarbeitenden des Alterstraumazentrums.

Dr. Stefan Grund, Dr. Nathan Gress, Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus, Prof. Dr. Petra Benzinger, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Dr. Matthias Miska, Prof. Dr. Gerhard Schmidmaier und Prof. Dr. Jürgen Bauer (v. l. n. r.) bei der Übergabe des Zertifikats. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg

Besonderheiten der Unfallversorgung bei älteren Menschen

Ältere Menschen, die nach einem Unfall verletzt sind, benötigen in der Regel eine andere Behandlung als jüngere Patientinnen und Patienten. Ihre medizinische Versorgung ist mit besonderen Risiken verbunden, zudem bringen sie altersbedingte Bedürfnisse mit. „Wenn ältere Menschen stürzen, erleiden sie häufig komplexe Verletzungen, zum Beispiel Oberschenkel-, Wirbel- oder Beckenbrüche“, beschreibt Dr. Matthias Miska, Oberarzt und Sektionsleiter Alterstraumatologie der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie und Leiter ATZ Unfallchirurgie. „Im Gegensatz zu jüngeren Menschen reicht bereits ein banaler Stolpersturz im häuslichen Umfeld für einen komplexen Knochenbruch, der gravierende, lebensbedrohliche Folgen haben und den dauerhaften Verlust eines selbstbestimmten Lebens bedeuten kann.“

Viele Patientinnen und Patienten in höherem Lebensalter haben zudem chronische Erkrankungen wie Herzschwäche, Osteoporose, Diabetes oder Demenz. „Sie nehmen womöglich mehrere Medikamente ein, sind allgemein weniger mobil und anfälliger für Wundheilungsstörungen und chronische Wunden“, sagt Professor Petra Benzinger, Oberärztin und Sektionsleiterin Alterstraumatologie der Geriatrie (Leiterin ATZ Geriatrie). „Sind ältere Menschen länger bettlägerig, steigt das Risiko für Komplikationen wie Lungenentzündung, Thrombose oder Muskelabbau.“

Gezielter Einsatz minimalinvasiver Operationstechniken

Ziel des Alterstraumazentrums ist es, dass altersbedingte Besonderheiten während der gesamten Behandlung berücksichtigt werden – von der Akutversorgung direkt nach einem Unfall über einen anschließenden Klinikaufenthalt bis hin zur Rehabilitation. Beispielsweise kommen moderne und schonende Operationstechniken wie ein Iliosakral-Stabsystem zum Einsatz. Diese minimalinvasive OP-Technik ermöglicht es, instabile Frakturen des hinteren Beckenrings bei älteren Patientinnen und Patienten stabil zu versorgen. Dabei wird das gebrochene Sitzbein durch einen Stab mit dem intakten Darmbein verbunden und zuverlässig fixiert. Weil bei diesem Eingriff Weichteile wie Haut, Muskeln und Nerven dank moderner 3D-Bildgebung im Operationssaal kaum verletzt oder belastet werden, ist die Komplikationsrate gering. Die hohe Stabilität des Konstrukts erlaubt zudem eine frühzeitige Mobilisation unter Vollbelastung: Bereits am ersten Tag nach der Operation können die Patientinnen und Patienten aufstehen und an das Gehen herangeführt werden. Das Risiko für typische Folgekomplikationen wie Lungenentzündungen ist dadurch minimiert.

Mehrmals pro Woche finden an beiden Standorten des ATZ gemeinsame Visiten statt, an denen ärztlicher Dienst, Pflege und therapeutische Berufsgruppen teilnehmen. „Wir streben an, dass sich der Gesundheitszustand der Patientinnen und Patienten nach einem Unfalltrauma schnell und nachhaltig stabilisiert, damit sie baldmöglichst in ihr gewohntes Lebensumfeld zurückkehren können“, sagt Dr. Nathan Gress, Zentrumskoordinator des ATZ. Zudem bindet das Alterstraumazentrum die niedergelassenen Fach- sowie Hausärztinnen und -ärzte in das Behandlungskonzept ein, um eine kontinuierliche Weiterbetreuung nach dem stationären Aufenthalt und der geriatrischen Rehabilitation sicherzustellen.

Hintergrund: Die DGU-Zertifizierung als Alterstraumazentrum

Deutschlandweit arbeiten mehr als 200 Kooperationsprojekte von Unfallchirurgie und Geriatrie als DGU-zertifizierte Alterstraumazentren zusammen. Für die Erstzertifizierung muss ein umfangreicher Kriterienkatalog der DGU erfüllt sein. Zu den Voraussetzungen gehören unter anderem Prozessbeschreibungen für die unfallchirurgische und geriatrische Behandlung der Patientinnen und Patienten im ATZ sowie für die strukturierte Zusammenarbeit des Zentrums mit Anästhesie, Innerer Medizin, Pflege, Physiotherapie, Ergotherapie und Sozialdienst. Eine weitere zentrale Anforderung ist ein aktives Qualitätsmanagement. Im Rahmen eines Vor-Ort-Audits überprüft die DGU, ob alle Punkte des Kriterienkatalogs erfüllt sind, und bewertet die praktische Ausgestaltung der Zusammenarbeit. Alle drei Jahre weisen die ATZ im Rahmen einer Re-Zertifizierung nach, dass sie die DGU-Anforderungen weiterhin erfüllen.

Alterstraumazentren der DGU nehmen verpflichtend am sogenannten Alterstraumaregister der Fachgesellschaft teil. Das Register sammelt anonymisierte Daten aus der Versorgung geriatrischer Patientinnen und Patienten im Alter von 70 Jahren oder älter, die eine hüftgelenksnahe Oberschenkelfraktur haben. Die Daten werden unter anderem für Forschungsarbeiten herangezogen und stehen den ATZ ein Jahr nach ihrer Erstzertifizierung zur Verfügung.

Weitere Informationen im Internet

Website der Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie des Universitätsklinikums Heidelberg

Website des Agaplesion Bethanien Krankenhauses Heidelberg

Übersichtskarte der DGU-zertifizierten Alterstraumazentren

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