November 15, 2024

When the aorta threatens to rupture: providing support instead of replacing it

When the aorta threatens to rupture: providing support instead of replacing it

A team of cardiac surgeons at Heidelberg University Hospital has implanted a new type of support for the aorta, the main artery, for the first time in Germany. The mesh, made of plastic, prevents the dangerous widening and tearing of the aorta in certain hereditary connective tissue diseases such as Marfan syndrome. The procedure offers an alternative to the conventional surgical method, in which part of the aorta has to be removed as a precaution and replaced with a prosthesis.

More Information in German below.


Wenn die Aorta zu reißen droht: Stützen statt ersetzen

Ein Team der Herzchirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg hat erstmalig in Deutschland eine neuartige Stütze für die Hauptschlagader, die Aorta, implantiert. Das aus Kunststoff gefertigte Netz verhindert bei bestimmten erblich bedingten Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom die gefährliche Erweiterung und das Reißen der Aorta. Der Eingriff bietet eine Alternative zu der herkömmlichen Operationsmethode, bei der ein Teil der Aorta vorsorglich entfernt und durch eine Prothese ersetzt werden muss.

Fast fünf Liter Blut pro Minute pumpt das Herz in die Hauptschlagader, die Aorta. Am ersten Abschnitt der Aorta, der Aortenwurzel, entsteht dabei ein Druck wie in eineinhalb Meter Wassertiefe. Dieses Druckaufkommen muss das Bindegewebe, das die Aortenwand zusammenhält, aushalten. Bei bestimmten Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom kann dieses Gewebe jedoch geschwächt sein und dem Druck nicht standhalten, wodurch sich die Aortenwurzel ausdehnt. Unbehandelt besteht das Risiko eines lebensbedrohlichen Risses. Um diesem Risiko vorzubeugen, wird bislang die Aortenwurzel durch eine Prothese ersetzt. Ein komplexer Eingriff, bei dem die Patientinnen und Patienten während der Operation auch an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden müssen. Gemeinsam mit einem erfahrenen Team aus dem Universitätsklinikum Amsterdam wurde am UKHD nun erstmalig in Deutschland eine Therapiealternative durchgeführt, die ohne Ersatz der Aorta und ohne Verwendung der Herz-Lungen-Maschine auskommt. Das Team umhüllte die Aortenwurzel und den aufsteigenden Teil der Aorta mit einem stabilisierenden Kunststoff-Netz. Der Eingriff ist erfolgreich verlaufen. Der Patient ist auf dem Weg der Genesung und konnte aus dem Krankenhaus entlassen werden.

Jedes Stück ein Unikat

 „Mit dieser neuen Technik können wir die Aortenwurzel frühzeitig und vorbeugend stabilisieren, bevor sie sich gefährlich ausdehnt und zu zerrreißen droht“, erklärt Professor Dr. Rawa Arif, Leiter der Marfan-Ambulanz an der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD), die Vorteile. „Das bietet eine vielversprechende neue Therapie-Option, die wir bei ausgewählten Patinnen und Patienten in Betracht ziehen können. Das bisherige Verfahren, bei dem die Aortenwurzel durch eine Prothese unter Erhalt der eigenen Herzklappe ersetzt wird, bleibt jedoch weiterhin eine bewährte und sichere Methode, die sehr gute Langzeitergebnisse aufweist“, so Professor Arif. In der Marfan-Ambulanz am UKHD werden Patientinnen und Patienten mit aortalen Bindegewebserkrankungen aus ganz Deutschland betreut.

Um die Aortenwurzel bestmöglich zu stabilisieren, wird das Kunststoff-Netz individuell an die Form der Hauptschlagader angepasst. Da die Form der Aorta bei jedem Menschen einzigartig ist, wird mithilfe einer speziellen CT-Untersuchung und eines 3-D Druckers eine exakte Nachbildung der Aorta erstellt. Anhand dieser Kopie wird das Netz millimetergenau modelliert. Die Methode ist daher als Personalisierte Externe Aortenwurzel-Stütze (engl.: Personalised External Aortic Root Support, PEARS-Prozedur) bekannt.

Das Operations-Team, das erstmalig in Deutschland die PEARS-Prozedur durchgeführt hat (v.ln.r.): Rebecca Krey, Herzchirurgie, Karolin König, Herzchirurgie, Willem te Gussinklo, Herzchirurgie, Sebastian Schüppel, Anästhesiologie, Stefanie Gerstner, Herzchirurgie, Rawa Arif, Herzchirurgie, Dave Koolbergen, Amsterdam UMC, Anil Panday, Amsterdam UMC, Christoph Lichtenstern, Anästhesiologie, Max Baumann, Anästhesiologie
PEARS-Stütze: Bei der PEARS-Prozedur wird ein Kunststoff-Netz um die Hauptschlagader gelegt, das diese stützt. Da die Form der Aorta bei jedem Menschen einzigartig ist, wird mithilfe einer speziellen CT-Untersuchung und eines 3-D Druckers eine exakte Nachbildung der Aorta erstellt. Anhand dieser Kopie wird das Netz millimetergenau modelliert.

Der lange Weg einer guten Idee

Bei sehr seltenen Erkrankungen wie dem Marfan-Syndrom ist es besonders herausfordernd, neue Therapien zu entwickeln und zu etablieren – so auch bei der PEARS-Prozedur: Tal Golesworthy, ein britischer Prozess-Ingenieur ohne medizinische Ausbildung, entwickelte Anfang der 2000er Jahre das Verfahren aus persönlicher Not heraus. Er selbst ist vom Marfan-Syndrom betroffen und wollte die Implantation einer künstlichen Herzklappe vermeiden. Nach vier Jahren Entwicklungszeit war Tal Golesworthy selbst der erste Patient, an dem die Prozedur 2004 durchgeführt wurde. Seither wurde das Verfahren an mehr als 1000 Patientinnen und Patienten weltweit angewendet – nun auch erstmals in Deutschland.

„Klinische Studien zeigen inzwischen, dass einige Betroffene von der PEARS-Prozedur langfristig profitieren können. Wir sind sehr froh, dass die Deutschland-Premiere gut verlaufen ist und wir in unserer spezialisierten Marfan-Ambulanz am Universitätsklinikum Heidelberg den Betroffenen nun alle Therapie-Optionen anbieten können. Eine solch spezialisierte Operationsmethode erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und das hohe Engagement aller Beteiligten“, so Professor Arif. In der Klinik für Herzchirurgie am UKHD werden unter der Leitung von Professor Dr. Matthias Karck jährlich etwa 180 operative Eingriffe an der Brustaorta durchgeführt. Die Klinik gehört damit zu den erfahrensten Einrichtungen in Deutschland auf diesem speziellen Gebiet.


Original News

Our latest News

discover more
Wo Zukunft entsteht: Deutschlands „Innovationsmaschinenräume“ präsentieren sich auf der re:publica 2026

Wo Zukunft entsteht: Deutschlands „Innovationsmaschinenräume“ präsentieren sich auf der re:publica 2026

Wie kann aus wissenschaftlicher Forschung eine konkrete medizinische Therapie entstehen? Im Maschinenraum der Life Sciences leistet bioRN Life Science Cluster genau das: Unter anderem beim Thema Frauengesundheit Heidelberg, 30 April 2026: Frauen sterben früher und werden oft schlechter therapiert. Der Grund dafür: Die medizinische Forschung und Entwicklung waren lange Zeit überwiegend auf männliche Populationen ausgerichtet. […]

AGC Biologics Wins 2026 Fierce Outsourcing Award for Leadership in Regulatory and Quality Compliance

AGC Biologics Wins 2026 Fierce Outsourcing Award for Leadership in Regulatory and Quality Compliance

Global CDMO recognized for exceptional quality systems and regulatory track record; named finalist in Excellence in Client Service & Partnership and Manufacturing Operations categories SEATTLE – April 27, 2026 – AGC Biologics, your friendly CDMO expert, is the 2026 recipient of the Fierce Outsourcing Award for Leadership in Regulatory and Quality Compliance. The award recognizes the […]

Molecular research: When speed meets precision

Molecular research: When speed meets precision

KIMMDY software visualizes biological processes in motion – conceived and originally developed at HITS, refined and published at the Max Planck Institute for Polymer Research in Mainz Within biological cells, molecules are constantly in motion. Investigating these motions, however, is still difficult, due to the fact that these processes occur on very small length and time […]

GET IN TOUCH

Stay Updated with bioRN’s Newsletter

Sign up for our newsletter to discover more!
* required

BioRN (BioRN Network e.V. and BioRN Cluster Management GmbH) will use the information you provide on this form to be in touch with you and to provide updates and marketing. Please let us know all the ways you would like to hear from us:

You can update your subscription preferences or unsubscribe at any time. Just follow the unsubscribe or update link in the footer of automated emails you receive from us, or by contacting us at info@biorn.org. We will treat your information with respect. For more information about our privacy practices please visit our website: www.biorn.org. By clicking below, you agree that we may process your information in accordance with these terms.

We use Mailchimp as our marketing platform. By clicking below to subscribe, you acknowledge that your information will be transferred to Mailchimp for processing. Learn more about Mailchimp's privacy practices.

Intuit Mailchimp